Bauplan Jakobikirche 1784

Die Jakobikirche ist eine sehr alte Kirche. Ihr Ursprung läßt sich bis ins 12. Jh. zurückverfolgen.

Die im Bistum Hildesheim gelegene bischöfliche Patronatskirche war geistliches Zentrum (Sendkirche) für einen größeren Bezirk. Ihre besondere Aufgabe gab Anlaß zu der Vermutung, die Kirche könne bereits in der ersten Hälfte des 11. Jh. bestanden haben. Die früheste Ansiedlung entstand wahrscheinlich im 10. Jh. und wurde um 990 als Rothun erstmals urkundlich erwähnt. Später hieß der Ort Roden, seit dem 14. Jh. setzte sich langsam Kirchrode durch. Der umfangreiche bischöfliche Grundbesitz, zu dem auch Liegenschaften in benachbarten Orten gehörten wurde von einem Haupthof aus verwaltet. Im 13. Jh. wurden die alten Herrschaftsverhältnisse teilweise aufgebrochen. Trotzdem blieben Teile unter starken Veränderungen bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. als Kirchroder Melerding erhalten.

1296 tauschten das Zisterzienserkloster Marienrode und der Hildesheimer Bischof die Patronatsrechte. Das Kloster hatte zuvor einigen Grundbesitz in der Nachbarschaft erworben, den es auf diese Weise vorteilhaft ergänzte. Auch Marienrode beteiligte sich an der Gründung von Gotteshäusern im Kirchspiel Nachdem zuvor Bothfeld-Buchholz (1295) selbständig geworden war, entstand 1348-1351 die Liebfrauenkirche vor dem Aegidientor der Stadt Hannover und wohl eine Reihe von Kapellen. Das katholisch gebliebene Kloster konnte den Einzug der Reformation in den 1540er Jahren nicht verhindern, so daß es bis ins 19. Jh. evangelische Geistliche für die Jakobikirche berufen mußte.

Zwischen 1849 und 1875 wirkte Johann Heinrich Böttcher (1804-1884) als Pastor an der Jakobikirche. Er war eine der führenden Persönlichkeiten der Mäßigkeitsbewegung, die sich vor allem gegen den übermäßigen Genuß von alkoholischen Getränken wandte. Neben einigen historischen Arbeiten zur Geschichte des Kirchspiels und seiner Dörfer, hinterließ er zahlreiche weitverbreitete Mäßigkeitsschriften. In der selben Zeit setzte mit dem Aufbrechen der überkommenen gesellschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse der langsame Ausbau des Bauerndorfes zu einer Wohngemeinde mit Dienstleistungsgewerbe ein, die mit den Siedlungshäusern aus der Zeit zwischen den Weltkriegen ihre charakteristische Prägung erhielt.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstanden im Kirchspiel neue Kirchengemeinden (Stephansstift, Misburg, Anderten, Bemerode-Wülferode), so daß seit 1950 nur noch Kirchrode zum Pfarrsprengel der Jakobikirche gehört. 1907 wurde Kirchrode nach Hannover eingemeindet.

Dr. Herbert Claessen