Historisches Bild der Jakobi-Turmtechnik
Der mittelalterliche Turm bewahrt in seinem östlichen Teil (Durchgang zum Kirchenschiff) das einzige noch sichtbare Zeugnis von größeren Umbaumaßnahmen des 14. oder 15. Jh. An das zugehörige Kirchenschiff, mit flacher Holzbalkendecke wurde Ende des 15. Jh. ein länglicher, 5/8-geschlossener eingewölbter Chor eingebaut.
 
Nach der Reformation fanden im 16. Jh. diverse Umbauten in der Kirche statt: Umstellung der Kanzel, Veränderungen an Flügelaltar und Gestühl, Einbau von Emporen etc.
 
Nach dem 30-jährigen Krieg mußen die Sakristei und verschiedene Vorbauten abgebrochen werden, die nur teilweise neu errichtet wurden. Auf diese Weise fehlte der Kirche bis 1777 eine Sakristei! Die Wiederherstellung des Inneren der Kirche mit Aufbau einer neuen Kanzel, neuen Emporen und einer künstlerischen Ausmalung dauerte bis Ende des 17. Jh. Das Bildprogramm der 1679/80 von H.J. Schrader geschaffenen Ausmalung beinhaltete u. a. die zwölf Apostel, Historien nach den Zehn Geboten, Passionsbilder, das Jüngste Gericht, Johannes d. T. und Paulus.1701/02 erhielt die Kirche ihre erste Orgel.
 
1782 erforderte der Mangel an Licht und Raum sowie die marode Bausubstanz den Abriß des mittelalterlichen Kirchenschiffs. Anfang 1784 konnte der Neubau feierlich eingeweiht werden. Es entstand ein in schlichtem Spätbarock, ganz in Weiß und Gold gehaltener, siebenachsiger Raum mit doppelstöckiger Empore und Mansardendach. Zur anfänglichen Ausstattung gehörte ein Kanzelaltar mit Schnitzarbeiten von J.F.B. Ziesenis.
 
Für den Neubau wurde erst 1809 eine gebrauchte Orgel angeschafft, die 1888 einer monumentalen neugotischen Schleifaladenorgel (F. Becker) weichen mußte. Im Zuge einer grundlegenden Renovierung erhielt die Kirche 1905/1906 die noch heute vorhandene Turmuhr mit nunmehr vier Ziffernblättern und eine Deckenausmalung von F. Lautenbach. Die Gemälde zeigten Christus als Weltenrichter und die 12 Apostel.
 
Am 4. November 1944 zerstörte eine Luftmine die Kirche bis auf Turm und Außenmauern. In vereinfachter Form wurde die Kirche zunächst schrittweise bis Mitte der 50er Jahre wiederhergestellt und wird seit 1980 im Sinne eines einheitlichen barocken Raumeindruckes weiter ergänzt.
 
 
Dr. Herbert Claessen
Foto Kapitell

Frühestes Zeugnis der Kirche ist ein romanisches Würfelkapitell aus Elmkalkstein in Anlehnung an im 12. Jh. moderne Hirsauer Schmuckformen. Wahrscheinlich entstammt es einer Fensterarkade oder Schallöffnung der ältesten bisher nachweisbaren Bauphase der Kirche um 1150. In der Zeit um 1200 entstand ein heute leider verschollenes Taufbecken.

 
 
Dr. Herbert Claessen